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Nervige Kollegen können dir ganz schön den Tag versauen.
„Zeitdruck und die lieben Kollegen sind die größten Belastungsfaktoren im Job“, schreibt DIE WELT am 12.01.19 und zitiert die Psychologin Marion Schenk. „Wenn man das Gefühl hat, eine Situation nicht selbst steuern zu können, dann wird sie belastend.“
DIE WELT diskutiert, ob mehr Erholung, eine Trennung oder doch Verschmelzung von Arbeit und Freizeit helfen können. Sie sieht die Verantwortung bei den Unternehmen und Vorgesetzten.

Wichtige Ansätze, aber was bringt dir das HEUTE? DIESE Woche? JETZT wo dir Sascha mal gerade wieder richtig auf den Sack geht?
Die wichtigsten Überlebens-Tipps für nervige Kollegen bekommst du hier. Du kannst sie alle selbst steuern:

1) Überlebens-Tipp gegen Kollegen mit ganz besonderem Charakter

Persönlichkeitstest werden sehr gerne von Unternehmen genutzt. Von Myers-Briggs-Typenindikator, Reiss Profile und den Gallup Strenghts Finder. Du bist „Rot“, Du „Gelb“, Du bist „INFJ“.
Wenn man sich selbst und seine Kollegen besser kennt und in eine Schublade sortiert hat, kann man sie besser verstehen. Und die Kommunikation im Team funktioniert besser – Haben sie gesagt.

Tatsächlich weiß man meist schon vor den Tests, dass Sascha eine klare Ansage nicht vertragen kann. Sabine nur mit genügend Zahlen, Daten, Fakten auch mal eine „Bauchentscheidung“ trifft und Niklas schnell aufbrausend ist, wenn etwas nicht glatt läuft.

Was die Tests messbar machen ist das: Menschen sind verschieden.

  • Sie gehen unterschiedlich an Problemstellungen ran und kommunizieren auf ihre Art und Weise
  • Sie nehmen Situation individuell wahr und reagieren so, wie sie es für richtig halten
  • Und das entspricht nicht immer der eigenen Verhaltensweise
  • Es gibt nicht den einen, richtigen Weg. Die eine, richtige Art und Weise.

Was du jetzt tun kannst:

Stell dir diese Fragen:
Inwiefern möchte ich mich für einen anderen Weg öffnen und bin flexibel? Und was ist für mich absolut kein gangbarer Weg mit meinen Kollegen?

Anstatt Sascha eine klare Ansage zu machen, fühlst du dich vielleicht genauso wohl damit, ihn stärker in Entscheidungen miteinzubeziehen. Solange es den Frieden wahrt und dem Projekt dient.

Statt von Sabine eine spontane Entscheidung zu fordern, bereitest du vielleicht auch gerne die wichtigsten KPIs für sie vor. Hauptsache du bekommst eine schnelle Antwort von ihr.

Zeige deine Grenzen auf

Mache verständlich, dass du nicht bereit bist zu tolerieren, dass Niklas immer gleich rumbrüllt und sich im Ton vergreift, wenn etwas nicht glatt läuft.

Niemand sollte sich 24/7 in einem Job verbiegen und gegen seine eigenen Überzeugungen handeln müssen. Das wird dauerhaft deine Zufriedenheit auf der Arbeit nicht fördern.
Werde dir bewusst in welchem Umfeld du zur besten Version deiner Selbst werden kannst. Umgib dich mit diesen Menschen. Nur dann hast du auch Energie übrig, um auch mal auf einen Sascha und eine Sabine einzugehen.
Und vergiss nicht, auch du bist ein Mensch mit besonderem Charakter.

2) Überlebens-Tipp gegen lautstarke Kollegen

Räuspern, rumpeln, rein, raus.
Selbst wenn man nicht mit seinen Kollegen spricht, ist da ständig diese Geräuschkulisse.
Deine Konzentration: futsch!
Die Folge: Du liest fünfmal den selben Satz, weil du den Faden verlierst, wenn Sarah quietschend ihre Reiswaffel abbeißt.

Was du jetzt tun kannst:

Vermeidungsstrategien entwickeln. Ganz ehrlich – „Bitte Ruhe“-Schilder, kein Essen am Arbeitsplatz und Ähnliches sind nicht genug, wenn sich viele ein Büro teilen.

Einige Unternehmen habe inzwischen Räume geschaffen, in die man flüchten kann, um ungestört etwas zu erledigen. Seien es Telefonkabinen, kleine Meetingräume oder die Möglichkeit für Home Office.

Ist das nicht gegeben, kann ich dir ganz ernsthaft Kopfhörer empfehlen, die Hintergrundgeräusche rausfiltern. „Noise cancelling“ heißt das. Selbst wenn du keine Musik anschaltest, schirmen sie dich herrlich ab. Und die Kollegen überlegen sich dreimal, ob sie dich bitten die Dinger abzusetzen, um dir was „wichtiges“ zu sagen.

3) Überlebens-Tipp gegen Kollegen mit schlechter Laune

Kollegen, die ihre schlechte Laune in sich reinfressen, sind nicht dein Problem. Nervig sind die Kollegen, die ihr Leid gerne teilen. Du kannst es von ihrem Gesicht ablesen. Der Blick müde, die Schultern hängen. Schon wenn sie ins Büro kommen, weißt du was gleich passieren wird. Gleich kommt der große Seufzer, gefolgt von einem: „Ich bin heilfroh wenn Wochenende ist“. Sie lassen sich in den Schreibtischstuhl plumpsen und pusten aus dicken Backen als hätten sie gerade den Mount Everest bezwungen.

Na super, wie willst du da deine gute Laune behalten?

Seine schlechte Laune im Büro auszubreiten geht gar nicht. Zum einen steigert man sich selbst rein und badet in seinem Leid. Zum anderen zieht man seine Kollegen mit runter.

Was du jetzt tun kannst:

Hör auf das hinzunehmen!
Du solltest zunächst unter vier Augen mit dem Kollegen/ der Kollegin sprechen. Mach dabei verständlich, dass seine/ihre Stimmungsbekundungen sich negativ auf dich auswirken und du dich auf der Arbeit nicht wohl fühlst. Sprich in „Ich“-Botschaften. Frage die Person, ob du was tun kannst, damit es ihr besser geht.
Nutzt das nichts, kannst du nochmal an das Gespräch erinnern. Hilft nicht? Dann musst du ab jetzt das Gemecker sofort unterbinden, sobald es aufkommt.

Ich habe mich oft in solchen Situationen gefunden und kann dir daher aus Erfahrung eins sagen: Das Gemecker stillschweigend hinzunehmen und nur innerlich die Augen zu rollen, macht unglücklich. Lass es nicht soweit kommen!

Zu spät? Dann lade dir hier die 66 Alternativen zu dem Job, den du has(s)t herunter.
Niemand sollte unglücklich in seinem Job sein. Es gibt Lösungen.

4) Überlebens-Tipp gegen dich selbst

Wir wissen es beide – Manchmal bist du selbst der schlecht gelaunte Kollege. Stimmt`s?
Du kommst ins Büro und hast so was von keinen Bock, dass du es aus jeder Pore ausstrahlst. Glücklicherweise hast du dir beim Bäcker ein leckeres Teilchen geholt, das du erstmal genüsslich, kruspelnd aus der Tüte mampfst.
Im nächsten Meeting kannst du einfach nicht mehr mit anhören, was ein Bullshit da diskutiert wird und haust mal richtig auf den Tisch. Ob Sascha das jetzt abhaben kann, ist dir gerade völlig egal.
Zurück am Schreibtisch, merkst du dass sich dein Computer aufgehängt an. Ein lautes „Boah, Mann, ey“ platzt aus dir raus, so dass alle um dich herum ihre „Noise cancelling“-Kopfhörer absetzen und dich fragend angucken.

Was du jetzt tun kannst:

Vogelperspektive einnehmen! Betrachte die Situation von oben.
Was machst du da gerade? Warum machst du das? Aka. be mindful, übe dich in Achtsamkeit. Oder wie meine Oma sagen würde: „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung!“.

Ein Blick auf dich selbst ist angesagt. Du musst ein paar Antworten finden:

  • Ist das heute einfach nur ein mieser Tag oder ziehst du die Nummer schon seit Wochen ab?
  • Bist das wirklich du?
  • Willst du so sein und dich so fühlen?

Du musst herausfinden was da bei dir los ist, um eine Lösung zu finden. Tu es für dich selbst und für deine armen Kollegen.

5) Überlebens-Tipp gegen ganz tolle Kollegen

Sie waren vor der Arbeit schon 10km joggen. Sind immer top gestylt und schweben gut gelaunt durch den Tag. Als wäre das nicht genug, sind sie auch noch unglaublich smart und ihre Meinung wird von allen geschätzt. Die Überflieger.
Eigentlich kein Problem.

Sie werden dann zum Problem, wenn sie dich an deine eigenen Defizite erinnern: Du fühlst dich wie der letzte Loser, wenn du mit Kaffeetasse, Laptop und Notizbuch bepackt ins Meeting hechtest. Deinen Kram mit einem „hehe, sorry!“ auf den Tisch balancierst. Während sie gechillt im Stuhl sitzen und für den ersten Satz aus ihrem Mund schon zustimmendes Nicken ernten.
Wie machen die das bloß? Ein Mischung aus Frust und Neid steigt in dir auf.

Was du jetzt tun kannst:

Jubeln! Aus zwei Gründen:

1. Gesunder Neid ist ein genialer Indikator

Bist du neidisch auf etwas oder jemanden, wird dir bewusst, was du toll findest und womöglich selbst gerne für dich hättest. Ist es die Disziplin, das Selbstbewusstsein oder einfach das Outfit deines/deiner Kollegen/Kollegin, das dir positiv ins Auge sticht?
Lass dich davon inspirieren, um deine eigenen Ziele zu definieren.


Das hat zwei Effekte:

  • Du entwickelst eine Vision für deine beruflichen und privaten nächsten Schritte.
  • Du tauschst deine Einstellung von „Ich bin nicht so gut, wie die/der“ gegen ein „Ich finde das klasse und möchte das auch können“. Mit Sicherheit wirst du im nächsten Meeting früher dran sein, mit weniger Gepäck unterm Arm.

Der zweite Grund zu jubeln ist folgender:

2. Du hast einen Mentor/Mentorin gefunden.

Denn wie selten sind denn bitte diese Überflieger ? Diese Menschen von denen man sich gerne was abguckt?
Das Internet ist voll von Artikel, die über unfähige, unliebsame, unverschämte Kollegen herziehen. Und zwar weil es ja auch so viele davon gibt!
Aber jetzt ist da dieser eine Überflieger in deiner Abteilung. Lichtkegel sollten sich auftun, Schmetterlinge umherflattern und ein Streichkonzert einsetzen. Mach dir dieses seltene Exemplar zum Mentor/ zur Mentorin!

So geht`s :
Geht mal zusammen zum Lunch, versuche ins gleiche Projektteam zu kommen. Biete deine Unterstützung an. Sei nützlich. Im Gegenzug kannst du sicher sein, dass er/sie dich auch mal unterstützt oder dir einen Rat gibt. Mentorships entwickeln sich. Fang heute an.

Welchen Punkt auch immer du diese Wochen gut gebrauchen kannst: Fang damit an zu steuern, was in deiner Macht liegt und ignoriere, was du nicht beeinflussen kannst.

Photo by Stefan Cosma on Unsplash